„(Lebens-)Geschichte zwischen vier Wänden“
Max und Frida Salzberg
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Der jüdische Privatgelehrte und Schriftsteller Max Salzberg (1884-1954) mietete in den 1930er-Jahren zusammen mit seiner Frau eine Wohnung in der Bieberstraße. Seine Ehefrau Frida (1893-1993), Lehrerin an verschiedenen Mädchenschulen, lebte bis zu ihrem Tod in dieser Wohnung. In den fast 40 Jahre nach dem Tod ihres Mannes nahm sie kaum Veränderungen vor, die Erinnerung an ihren Mann blieb in nahezu allen Räumen allgegenwärtig.

Die Online-Ausstellung unternimmt einen ersten Versuch, anhand ausgewählter Wohnungsobjekte aus dem Altonaer Museum, die durch Dokumente aus dem im Staatsarchiv Hamburg bewahrten Nachlass des Ehepaars ergänzt werden, Schlaglichter auf die Biografien von Frida und Max Salzberg zu werfen. Zugleich sollen damit Einblicke in die jüdische Geschichte Hamburgs, in das Alltagsleben und die Wohnkultur während der Weimarer Republik, NS- und Nachkriegszeit gegeben werden. Den Schwerpunkt bildet dabei das Leben und Wirken von Max Salzberg, da, wohl auch aufgrund von Fridas Einsatz für das Gedenken an ihren Mann, die Quellenlage zur Erforschung seiner Biografie deutlich günstiger ist. Die insgesamt sieben, weitestgehend chronologisch angeordneten Stationen widmen sich der Kindheit und Jugend ebenso wie der Studienphase sowie dem Privatgelehrten Max Salzberg. Sie zeigen, wie sich das Leben des Ehepaars durch die zunehmende Verfolgung während der NS-Zeit veränderte und wie in der Nachkriegszeit nur sehr langsam eine Rückkehr zu einem „normalen“ Leben gelang. Die letzte Station nimmt die Überlieferungsgeschichte und die Bedeutung der Sammlung Salzberg noch einmal in den Blick. Neben diesem thematisch-chronologisch verlaufenden Narrativ (vertikal) können die einzelnen „Lebensstationen“ (horizontal) vertieft werden.

Verfasserin der Texte ist Hannah Rentschler, inhaltlich wurde die Erstellung der Ausstellung von Kirsten Heinsohn betreut und von Anna Menny konzipiert.

Einführung: die Objekte

Nach dem Tod Frida Salzbergs entschied die Erbin Gertrud Johnsen mit ihrer Familie, fast das gesamte Inventar der Wohnung an das Altonaer Museum zu übergeben. Der umfangreiche Schriftnachlass des Ehepaars wurde dem Staatsarchiv Hamburg ausgehändigt. Trotz dieser sehr dichten Quellenüberlieferung sind das Leben und Wirken des Ehepaars Salzberg nur noch wenigen bekannt. Der Schriftnachlass ist weitestgehend unerschlossen, die Sammlung im Altonaer Museum ruht, nach einer Ausstellung 1998, in mehreren Depots.

Auch stellt die ungewöhnliche Sammlung das Museum vor konservatorische und didaktische Herausforderungen: Wie lassen sich die diversen Alltagsgegenstände nachhaltig bewahren? Wie kann mit dem Inventar einer Wohnung, die selbst bereits als Gedenkort inszeniert war, unter museumspädagogischen Aspekten umgegangen werden? Welche Geschichte(n) können anhand der Vielzahl an Objekten erzählt werden?

Max Salzbergs Kindheit und Jugend – ostjüdische Herkunft

Max Salzberg wurde am 7.12.1882 in Alexota/Aleksotas im polnisch-russischen Litauen, auf der gegenüberliegenden Flussseite von Kaunas/Kowno geboren. Mit zwei Brüdern und fünf Schwestern wuchs er in ärmlichen Verhältnissen in einer schwierigen Zeit auf. Nach der Ermordung des russischen Zars Alexander II 1881 kam es zu Unruhen und Pogromen. Die Lebensumstände für viele Juden in Salzbergs Heimat verschlechterten sich, im Alltag erlebten sie Armut, Gewalt und Verfolgung.

Salzbergs Leben wurde durch sein traditionell-orthodoxes Elternhaus und seine besondere sprachliche Begabung geprägt. Bereits als Dreijähriger besuchte er ein Cheder, um dort Hebräisch zu lernen.

Max Salzberg - Erinnerungen an Kindheit und Jugend

Vor und während des Ersten Weltkrieges versuchte Max Salzberg, die preußische Staatsbürgerschaft zu erhalten. In einem Bittbrief an Kaiser Wilhelm II beschreibt er auch seine Herkunft, Kindheit und Jugend:

„Ich bin zu Alexota bei Kowno in Russland 1882 als der Sohn eins [sic] Schneidermeisters geboren. Die übergrose [sic] Armut meiner Eltern gestattete ihnen nicht, mich ihrem Idealegemäss [sic] zu einem Talmudgelehrten zu erziehen. Meine Kindesliebe zeigte mir jedoch den Weg, ihren Wunsch trotzdem zu erfüllen. Mit dreizehn Jahren ging ich daher in ein kleines, einige Meilen von meiner Heimat entferntes Städtchen und studierte dort auf einer Talmudschule unter grossen [sic] Entbehrungen; häufig musste ich mir das für meinen Unterhalt notwendigste durch schwere körperliche Arbeit verdienen. […] Die zunehmende Armut meines Vaters infolge Arbeitslosigkeit zwang ihn, mir die Unterbrechung der Talmudstudien für einige Zeit zu gestatten. Ich nahm auf einem Dorf die Stelle eines Talmudslehrer an. Ausser [sic] der langen Arbeitszeit, welche meine zwölf verschiedenaltrigen Schüler erforderten, gab ich noch Privatstunden, die mir später noch eine Reise nach dem ersehnten Auslande gestatten sollten.“
(Entwurf eines Briefes von Max Salzberg an Kaiser Wilhelm II zwecks der Bitte um Einbürgerung, undatiert, vermutlich 1914/1915; Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 1.)

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 1993-1665.

„Die beiden Rabbis“

Durch seine Kindheit und Jugend war Max Salzberg stark religiös geprägt. Seine traditionell-orthodoxe Herkunft einerseits und seine später aufgenommenen weltlichen philologischen Studien sowie sein Bildungsanspruch andererseits lösten bei ihm daher auch Gewissenskonflikte aus. Gerade diese Ambivalenz prägte das Leben von Max Salzberg, in dem jüdische Traditionen immer eine Rolle spielten, wenn auch unklar ist, welche Bedeutung sie in seinem Alltag einnahmen.

In den ab 1947 im „Jüdischen Gemeindeblatt für die britische Zone“ veröffentlichten Kurzgeschichten zu bedeutenden jüdischen Festen knüpfte Salzberg an diese Kindheitserlebnisse an. Ab Beginn der 1950er-Jahre waren entsprechende Beiträge auch fester Bestandteil der „Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland“. Diese wurde 1946 als „Jüdisches Gemeindeblatt für die Nord-Rheinprovinz und Westfalen“ gegründet. Der erste Chefredakteur und Gründungsherausgeber war der Journalist Karl Marx, der 1946 als einer der ersten jüdischen Emigranten nach Deutschland zurückkehrte. Mit dem Gemeindeblatt als Lizenzzeitung war er maßgeblich am Wiederaufbau jüdischer Strukturen beteiligt, so auch am Zentralrat der Juden in Deutschland. 1948 wurde das Blatt zunächst in „Allgemeine Wochenzeitung“ umbenannt, die seit 1955 als „Allgemeine jüdische Wochenzeitung“ bzw. „Jüdische Allgemeine“ erscheint und bis heute die bedeutendste und auflagenstärkste deutsch-jüdische Zeitung ist.

Salzbergs Kurzgeschichten spiegeln sein umfangreiches Wissen über jüdische Gebräuche wider und geben Einblick in die ostjüdische Lebenswelt, der er selbst entstammte. So etwa „Die beiden Rabbis“, den Text schrieb Salzberg anlässlich des Lag baOmer-Festes und schildert darin auch den Alltag jüdischer Gelehrter. Lag baOmer ist ein Freudentag, der die Trauerzeit zwischen Pessach und Schawuot unterbricht. An diesem Tag werden von Kindern und Erwachsenen Picknicks veranstaltet und es dürfen Hochzeiten durchgeführt werden.

Quelle: Max Salzberg, Die beiden Rabbis, in: Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland: 1953-54, 8. Jahrgang, Nr. 4, 1. Mai 1953, S. 13.

Gebetsriemen

Diese Gebetsriemen (Tefillin) befinden sich in der Sammlung Salzberg im Altonaer Museum. Sie werden von religiösen Juden zum Morgengebet getragen. In den Kapseln, die an den Riemen befestigt sind, befinden sich Pergamentstücke mit Texten aus der Tora. Die Tefillin bestehen aus einem Kopfteil, der während des Gebets auf der Stirn getragen wird, und einem Handteil, der um den Arm getragen wird. Ob die Gebetsriemen von Max Salzberg benutzt wurden oder zum Beispiel von seinem Vater stammten, ist unklar.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Nr. 46 Gebetsriemen, Foto: Silke Lachmund.

Mesusa

Zum Haushalt der Salzbergs gehörte auch eine Mesusa. In einem traditionellen jüdischen Haushalt findet sich an jedem Türrahmen eine solche Schriftkapsel. Sie enthält ein zusammengerolltes Pergament mit Bibelversen. Die Mesusa steht symbolisch für den Schutz Gottes über das Haus und dessen BewohnerInnen. Auch bei diesem Objekt ist unklar, wie und ob es genutzt wurde. Allein die Tatsache, dass die Objekte über Jahrzehnte aufbewahrt wurden, zeugt von der Bedeutung solch religiöser Traditionen im Leben des Ehepaars Salzberg.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Nr. 67 Mesusa, Foto: Silke Lachmund.

Studienzeit und Hochzeit von Max und Frida Salzberg, geb. Heins

Bereits in seiner Jugend litt Max Salzberg unter starker Kurzsichtigkeit, aus der eine zunehmende Netzhautablösung entstand. Als ihm die vollständige Erblindung drohte, verließ er 1901 seine Heimat und ging nach Königsberg. Dank der Hilfe von finanziellen Förderern wurde ihm dort eine Operation mit anschließender Behandlung ermöglicht, so dass sich sein Zustand kurzfristig besserte. Drei Jahre später setzte jedoch erneut eine Verschlechterung ein, Salzberg reiste daher nach Hamburg ins Israelitische Krankenhaus, um sich dort von einem Spezialisten behandeln zu lassen.

Das Israelitische Krankenhaus in Hamburg

1839 stellte Salomon Heine der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg großzügige zweckgebundene Geldmittel zur Verfügung: mit dieser Spende wurde der Bau eines eigenen Krankenhauses der Gemeinde möglich. Das für die damalige Zeit moderne Gebäude – 1843 eingeweiht und für 80 bis 100 Betten ausgelegt – stand allen Patienten unabhängig von ihrer Konfession offen. Dieser Grundsatz war in den Fundamentalbestimmungen ausdrücklich formuliert; diese waren den Statuten des Krankenhauses, die ein dezidiertes Regelwerk enthielten, vorangestellt. [...] Während im Hospital zunächst pflegende Maßnahmen im Vordergrund standen, kam es während der Tätigkeit des Chirurgen Heinrich Leisrinks (1879–1885) zu einem Paradigmenwechsel: Neue Erkenntnisse in der Medizin zogen eine neue Funktionsbestimmung des Hospitals nach sich. Nicht mehr die Versorgung bedürftiger und zu pflegender Menschen war das Ziel, sondern der differenzierten medizinischen Diagnostik und Behandlung kam zunehmende und bestimmende Bedeutung zu: Das Spektrum der Operationen wurde erweitert und eine 1880 neu gegründete Poliklinik bot Sprechstunden durch Fachärzte verschiedener Spezialgebiete an.

Quelle: Bilddatenbank des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, BAU00360-11.
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Plankammer, Sonderbestand „Israelitisches Krankenhaus“, 720-1/ 388-37.

Prof. Dr. Richard Deutschmann

Prof. Dr. Richard Deutschmann war ein ausgewiesener Augenspezialist, der sich 1877 in Göttingen habilitiert und dort 1883 eine außerordentliche Professur erhalten hatte. Seit 1899 arbeitete er in der Augen-Poliklinik am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. Er war spezialisiert auf Therapiemöglichkeiten bei Netzhautablösung und wurde für seine Forschungserfolge vielfach ausgezeichnet.

Auch Max Salzberg begab sich von Februar 1904 an für zwei Jahre in Behandlung bei Prof. Deutschmann, die jedoch keinen nennenswerten Erfolg erzielte. Salzberg blieb für den Rest seines Lebens auf einem Auge blind, auf dem anderen konnte er noch Umrisse und Lichtverhältnisse wahrnehmen.

Abitur am Johanneum

Seine Erblindung und die damit verbundenen Einschränkungen minderten nicht Max Salzbergs Interesse an Sprachen und seinen Lerneifer. Während und nach der Behandlung im Israelitischen Krankenhaus blieb er in Hamburg und lernte weitestgehend autodidaktisch Deutsch, Französisch und Englisch. Wenngleich er neben seinen Muttersprachen Jiddisch und Russisch auch bereits Ivrit, biblisches Hebräisch und Aramäisch beherrschte, war es sein Ziel, Lehrer für moderne Sprachen zu werden.

1909 verbrachte er ein Jahr an der Pariser Sorbonne, um dort Französisch zu studieren. Zurück in Hamburg besuchte er das Realgymnasium des Johanneums, wo er 1913 das Abitur nachholte, das ihn zur Aufnahme eines Studiums befähigte. Das Johanneum ist mit seiner Gründung 1529 als Gelehrtenschule das älteste Gymnasium Hamburgs. Ab 1802 konnte es auch von Juden besucht werden, wodurch es zu den ersten Gymnasien in Deutschland zählt, die jüdische Schüler aufnahmen.

Quelle: Postkartenansicht von Christoffer und Peter Suhr, 1840, Wikimedia Commons, commons.wikimedia.org/wiki/File:Johanneum_Hamburg_(Suhr,_1840).jpg, gemeinfrei; Zeugnis: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 1.

Studium in Marburg

Durch seine Sprachgewandtheit hatte sich Max Salzberg in Hamburg einen großen Bekanntenkreis aufgebaut, darunter auch Mitglieder der bedeutenden Warburg-Familie, so etwa der Bankier und Politiker Max Warburg und später dessen Tochter Gisela Warburg. Mithilfe der Unterstützung einiger seiner Bekannten konnte Salzberg 1913 an der Marburger Universität ein Philologiestudium aufnehmen.

Um trotz seiner Sehbehinderung studieren zu können, bat Salzberg Kommilitoninnen und Kommilitonen, so etwa seine spätere Ehefrau Frida, ihm Texte vorzulesen. Dank seines hervorragenden Gedächtnisses konnte er sehr gute Leistungen erbringen und wurde auch von seinen Professoren gelobt und unterstützt.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 1.

Einbürgerung

Das gute Verhältnis zu seinen Professoren war für Max Salzberg besonders nach Beginn des Ersten Weltkrieges von Vorteil. Als sogenannter „feindlicher Ausländer“ wurde er 1915 zwangsexmatrikuliert. Nachdem ihm die Verleihung der Staatsangehörigkeit in Hamburg aufgrund seiner jüdischen Religion verwehrt worden war, strebte er 1914/15 die Einbürgerung in Preußen an. Neben Max Warburg, der für Salzberg eine Bürgschaft ausstellte, unterstützten auch die Professoren Ferdinand Wrede (Deutsche Philologie) und Wilhelm Viëtor (Englische Philologie) sein Verfahren mit befürwortenden Schreiben, in denen sie seine Studienleistungen und umfangreichen Kenntnisse hervorhoben.

Auch Alfred Bielschowsky, Professor für Augenheilkunde, Direktor der Augen-Klinik und Mitbegründer der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg, sprach sich für Salzberg aus und wies auf dessen Leistungen hin: „Vor allem möchte ich aber noch aus dem Grund eine mögliche Rücksichtnahme befürworten, weil Herr Salzberg schon seit vielen Wochen den durch Schussverletzungen erblindeten Kriegern in meiner Klinik durch Unterricht in Blindenschrift, Maschinenschreiben etc. über die schwerste und traurigste Zeit ihres Lebens in einer für ihre Zukunft äusserst [sic] nützlichen Weise hinweghilft und zwar aus freien Stücken, ohne irgend welchen [sic] Entgelt dafür zu nehmen.“ (Brief von Prof. Dr. Bielschowsky vom 30.11.1914, Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 1) Der große Unterstützerkreis konnte jedoch nicht verhindern, dass Salzbergs Gesuch der Einbürgerung 1915 abgelehnt wurde. Erst im August 1917 erhielt er schließlich die preußische Staatsbürgerschaft, die dafür letztendlich ausschlaggebenden Gründe sind unklar.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 1.
Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Nr. 43 Dissertationsschrift, Foto: Silke Lachmund.

Dissertation

Nach erneuter Immatrikulation an der Marburger Universität wurde Max Salzberg am 27.6.1917 über „Die Adjektiva als poetisches Darstellungsmittel bei Wirnt von Gravenberg unter vergleichender Heranziehung von Hartmann und Wolfram“ promoviert.

Sein darin enthaltendes Dankeswort galt nicht nur seinen Professoren: „Ganz besonders aber möchte ich hier in tiefster Dankbarkeit aller Studentinnen und Studenten, sowie aller meiner Hamburger Freunde gedenken, die mir das durch meine Erblindung außerordentlich erschwerte Studium in menschenfreundlichster Weise zu erleichtern bestrebt waren.“

1919 legte er zudem die Staatsexamensprüfung für das höhere Schulwesen in den Fächern Deutsch, Französisch und Englisch ab. Anschließend kehrte er nach Hamburg zurück, wo er noch einige Semester an der Hamburgischen Universität eingeschrieben war.

Frida und Max

Während seines Studiums in Marburg lernte Max Salzberg seine Kommilitonin Frida Heins kennen. Sie war 1893 in Waldheim bei Hannover als Tochter eines Beamten und einer wohlhabenden Bürgertochter geboren worden. Seit 1914 studierte sie in Freiburg und Marburg Deutsch, Englisch und Philosophie und erhielt 1921 ihr Staatsexamen. Zugleich erwarb sie ihre Lehramtsbefähigung für höhere Mädchenschulen.

Etwa 1916 traf sie Max Salzberg erstmals in einer Vorlesung und unterstützte ihn anschließend während seines Studiums, indem sie ihm Texte vorlas. 1922 heirateten die beiden und zogen in eine Wohnung in Hamburg-Wandsbek.

Über Frida Salzbergs Religionszugehörigkeit nach ihrer Hochzeit finden sich verschiedene Angaben. Laut der Kultussteuerkartei der jüdischen Gemeinde Hamburg war sie zum Judentum konvertiert. An anderer Stelle ist zu lesen, dass sie zum Judentum übertrat, ohne aus der lutherischen Kirche auszutreten. Während der NS-Zeit wurde die Ehe als „nichtprivilegierte Mischehe“ behandelt und Frida als „Arierin“ bezeichnet, sodass eine Konversion unwahrscheinlich erscheint. Die Ehe stieß auf beiden Seiten bei Familienmitgliedern und Freunden auf Vorbehalte.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 1.

Der Privatgelehrte – ein Weg mit Widerständen

Max Salzbergs beruflicher Weg gestaltete sich aufgrund seiner Erblindung schwierig. Trotz seines erfolgreichen Studienabschlusses gelang es ihm nie, eine Anstellung an einer Schule zu bekommen. Stattdessen übte er zunächst eine kaufmännische Tätigkeit aus, während der er zusätzlich als Privatlehrer für modernes Hebräisch und hebräische Literatur arbeitete. Ab 1926 widmete er sich ausschließlich dem Privatunterricht.
Sein umfangreiches Wissen und seine Sprachkenntnisse waren in der jüdischen Gemeinde in Hamburg, insbesondere auch bei der steigenden Zahl an Auswanderern nach Palästina in den 1930er-Jahren, sehr gefragt. Speziell für diesen Bedarf gab er Sprachkurse in der 1930 in Hamburg gegründeten Franz-Rosenzweig-Gedächtnisstiftung, die als Lehrhaus der Erwachsenenbildung in der jüdischen Gemeinde fungierte. An der Stiftung waren berühmte jüdische Persönlichkeiten, wie Ernst Cassirer, Max Warburg und Joseph Carlebach, beteiligt. Auch (religiöse) Gelehrte schätzten Salzberg als Gesprächspartner und Lehrer sehr, darunter der Hamburger Rabbiner Dr. Joseph Norden, wie ein Schreiben von 1939 zeigt:

„In weitesten Kreisen der Hamburger Gemeinde ist er [Max Salzberg] als bedeutender Kenner des hebräischen Schrifttums von der biblischen und talmudischen Zeit bis zur Gegenwart bekannt und hochgeschätzt. Jugendliche und ältere Männer und Frauen suchen ihn auf und sind von seinem Unterricht begeistert. […] Ich selbst komme seit längerer Zeit zu Herrn Dr. Salzberg zum Zweck der Fortbildung im Neuhebräischen und bewundere jedesmal [sic] seine umfangreichen Kenntnisse.“ (Brief von Rabbiner Dr. Joseph Norden vom 14.08.1939, Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 38.)

Max Salzberg erteilte jedoch nicht nur Privatunterricht, sondern betätigte sich auch als Autor: Er verfasste zahlreiche Kurzgeschichten, Erzählungen und mehrere Romane zu religiösen und autobiographischen Themen. Allerdings wurde nur ein Bruchteil davon veröffentlicht, sodass sein literarisches Werk größtenteils unbekannt blieb.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 1994-1224, Foto: Silke Lachmund.

Zerschlagene Berufspläne

Max Salzbergs Ziel, Lehrer zu werden, blieb ihm verwehrt. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg wurde ihm wegen seiner Erblindung ein Referendariat an einer staatlichen Schule verweigert. Die Oberschulbehörde riet ihm, Helfer an der Talmud Tora Schule zu werden, doch auch dort wurde er aufgrund seiner Behinderung abgewiesen.

Er bestritt seinen Lebensunterhalt daher zunächst durch die Arbeit für seinen jüdischen Freund Julius Philipp . Die Firma „Julius Philipp“ war das in den 1920er-Jahren in Hamburg führende Im- und Exportgeschäft für Metalle. Salzberg war für die ausländische Korrespondenz verantwortlich und eignete sich bei seiner Tätigkeit neue Kenntnisse in Spanisch und Italienisch an. Für die Schreibarbeiten nutzte er seine „Smith Premier“ Schreibmaschine, die älteste in seinem Besitz, die er nach Aussage von Frida bereits während seiner Zeit als Schüler am Johanneum besessen hatte.


Quelle: The Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem. Ebenfalls: StAHH 741-4 Fotoarchiv, Nr. Sa 1213. Quelle und Transkript >

Die Statuten der Franz-Rosenzweig-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg, November 1930

Die Statuten der Franz-Rosenzweig-Gedächtnisstiftung vom November 1930 waren sehr knapp gehalten. Sie lesen sich wie ein Aktenvermerk mit einem Fünf-Punkte Programm. Ihr Inhalt verband programmatische Zielsetzungen ebenso wie konkrete Arbeitsschritte mit noch wenig ausgeformten institutionellen Vorgaben. Das geistige Leben der jüdischen Gemeinschaft in Hamburg sollte „im Sinne Rosenzweigs befruchtet und gefördert“ werden. Auf Rosenzweigs Werk „Zweistromland“ nahm man geradezu selbstverpflichtend ausdrücklich Bezug, in seinem Sinne sollte ein „Jüdisches Lehrhaus“ in Hamburg gegründet werden. Die Stiftung sollte überparteilich sein und keine religiöse Richtung bevorzugen, die Verbreitung des jüdischen Buches gefördert werden, ein jüdisches Vorlesungswesen eingerichtet sowie „Preisausschreiben zu Zwecken jüdischer Wissenschaft“ veranstaltet werden. weiterlesen >

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 1994-1225, Foto: Silke Lachmund.

Lehrer für jüdische Kultur und Sprache

Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 und den folgenden antisemitischen Gesetzen und Verordnungen veränderte sich das Leben für die jüdische Bevölkerung drastisch. Jüdinnen und Juden wurden systematisch aus allen gesellschaftlichen Bereichen verdrängt. Angesichts der zunehmenden Ausgrenzung und Entrechtung kam der innerjüdischen Bildung eine neue Bedeutung zu.

Max Salzberg war daher als Lehrer sehr gefragt. Zum einen stieg die Nachfrage nach seinem Sprachunterricht, den er nicht nur in der Franz-Rosenzweig-Gedächtnisstiftung, sondern auch in der 1934 eröffneten jüdischen Volksschule zu Lübeck erteilte. Zum anderen stießen zunehmend auch Einführungskurse in Grundbegriffe und Kultur des Judentums auf großes Interesse. Besonders diejenigen Schülerinnen und Schüler, die in wenig religiös geprägten Familien aufgewachsen waren, wussten nur wenig über jüdische Traditionen und Geschichte.

Viele bedeutende Persönlichkeiten wurden vor dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg von Salzberg unterrichtet, etwa der jüdische Historiker Dr. Baruch Zwi Ophir, der in Hamburg studierte, promovierte und 1933/35 über Italien nach Palästina auswanderte.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 45 Biblische Talmudische Encyclopadie in 5 Bd., Foto: Silke Lachmund.

Sprach- und Handelskurse für Auswanderer

Hebräischkenntnisse und Wissen über jüdische Kultur wurden besonders für die Jüdinnen und Juden wichtig, die sich in den 1930er-Jahren für eine Auswanderung nach Palästina entschieden. Max Salzberg erteilte daher auch spezielle Kurse, die auf die Auswanderung vorbereiteten.

Genaue Angaben über die Zahl an ausgewanderten Jüdinnen und Juden lassen sich aufgrund der unzureichenden Quellenlage nicht machen. Im heutigen Hamburger Stadtgebiet lebten 1933 mehr als 26.000 Menschen, die von den Nationalsozialisten unabhängig von ihrer Selbstdefinition als Jüdinnen und Juden verfolgt wurden. Bis 1945 sollen zwischen 9.000 bis 12.000 von ihnen ausgewandert sein, die meisten 1938/39 nach der Reichspogromnacht, größtenteils in die USA, Großbritannien und Palästina. Wahrscheinlich war die Zahl derjenigen, die auswanderten, jedoch höher.

Quelle: „Aufstellung über Sprach- und Handelskurse für Auswanderer, 1939. Herkunft: Staatsarchiv Hamburg“, Ausstellungstafel aus der Ausstellung „Jüdisches Schulleben in Hamburg“, 1998, des Hamburger Schulmuseums, Foto: Bettina Evert.

„Der Wasserträger, der ein Heiliger war“

Max Salzberg schrieb zahlreiche Märchen, Erzählungen und autobiographische Skizzen, in denen sich deutlich seine traditionelle jüdische Prägung widerspiegelt. Einige seiner Kurzgeschichten wurden zu Lebzeiten im „Jüdischen Gemeindeblatt für die britische Zone“ und der „Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland“ veröffentlicht.

Der Großteil von Max Salzbergs literarischem Werk ist jedoch unbekannt geblieben. Sein auf Hebräisch verfasster autobiographischer Roman „Schurat hakawod“ wurde, auch dank persönlicher Kontakte zu dem Schriftsteller Max Brod, 1951 im Verlag „Am Owed“ in Israel publiziert. Rund 2.000 Exemplare wurden dort verkauft. Max Salzberg erhoffte sich, von den Einnahmen eine Reise nach Israel finanzieren zu können. Dieser Wunsch blieb jedoch unerfüllt.

Für andere deutsche Texte, wie den Roman „Auf dunkler Bahn. Die Geschichte meines Lebens“, in dem Salzberg seine Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Litauen und seine Erblindung schildert, konnte kein Verleger gefunden werden. Lediglich ein Auszug des Romans wurde 1950 in der „Zeit“ abgedruckt. Frida Salzberg bemühte sich nach dem Tod ihres Mannes um die Veröffentlichung seines literarischen Nachlasses. Ihre Versuche blieben jedoch vergeblich – die Verlage lehnten die Werke von Max Salzberg ab, da der Inhalt nicht zum Verlagsprogramm passe oder der zu erwartende Leserkreis zu klein sei. Wohl auf Fridas Initiative hin übersetzte eine ihrer Bekannten 1955 den ersten Teil des in Israel veröffentlichten Roman „Schurat hakawod“ ins Deutsche mit dem Titel „Die Ehrenreihe“. Auch aufgrund von Übersetzungsschwierigkeiten des komplexen Textes blieb es jedoch bei der Teilübersetzung. Dieses und weitere unveröffentlichte Manuskripte finden sich im Nachlass der Salzbergs im Staatsarchiv Hamburg.

Quelle: Max Salzberg, Der Wasserträger, der ein Heiliger war, in: Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland: 1949-50, Jg. 4, Nr. 25, 30. September 1949, S. 7.

Fridas Berufstätigkeit

Auch Frida Salzbergs beruflicher Weg verlief nicht reibungslos. Nach ihrem Staatsexamen 1921 fand sie zunächst keine Anstellung als Lehrerin, was zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich war: Die vor allem durch die Inflation bedingten Krisenjahre 1923/24 waren geprägt von Einsparungsprogrammen, die auch die Schulen und Lehrerschaft trafen. In Hamburg wurden in diesen beiden Jahren etwa 630 Stellen gestrichen. Als sich die Situation 1925 besserte, endete der Stellenabbau vorerst und es wurden wieder neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt. Auch Frida fand 1926 eine Anstellung als Oberlehrerin an dem privaten höheren Lyzeum für Mädchen in der Tesdorpfstraße 16 / Heimhuderstraße 12. Zu ihren Schülerinnen entwickelte sie einen engen Kontakt, der teils bis an ihr Lebensende anhielt. In der NS-Zeit verlor Frida ihre Anstellung jedoch wieder, da sie die Scheidung von ihrem jüdischen Ehemann verweigerte. In den folgenden Jahren erteilte sie Privatunterricht.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Frühstückszimmer_010.

Einzug in die Bieberstraße

Mit Fridas Anstellung wurde 1932 auch der Umzug in eine größere Mietwohnung möglich: Max und Frida Salzberg bezogen eine Sieben-Zimmer-Wohnung in der Bieberstraße 9 im Grindelviertel, das sich seit der Jahrhundertwende zum Hauptwohnort der Hamburger Jüdinnen und Juden entwickelt hatte. Dort waren nicht nur verschiedene Synagogen und Betstuben sowie weitere religiöse Einrichtungen angesiedelt, sondern auch die Talmud Tora Schule, das Logenhaus und Geschäfte des alltäglichen Bedarfs.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum.

Verfolgung und Ausgrenzung

In der NS-Zeit hatten die Salzbergs mit vielen Entbehrungen, Diskriminierungen und schließlich auch mit akuter Bedrohung zu kämpfen. Seit Dezember 1938 galt ihre Ehe als „nichtprivilegierte Mischehe“. Als „privilegiert“ wurden Ehen mit jüdischer Ehefrau oder christlich erzogenen Kinder bezeichnet. „Nichtprivilegiert“ waren hingegen kinderlose Ehen mit jüdischem Ehemann, Ehen mit jüdisch erzogenen Kindern oder bei Konversion des zuvor nichtjüdischen Ehepartners bzw. -partnerin zum Judentum.

Der Status der „nichtprivilegierten Mischehe“ führte dazu, dass die Salzbergs in ein „Judenhaus“ umziehen mussten, ihr Vermögen gesperrt wurde und Frida ihre Anstellung verlor. Immer wieder versuchte Frida, sich gegen die rassistischen Verordnungen des NS-Regimes zu wehren und hatte teils damit Erfolg. Max Salzberg wurde durch die Ehe geschützt, da jüdische Ehepartner einer „nichtprivilegierten Mischehe“ bis Anfang 1945 von Deportationen ausgenommen blieben. Obwohl eine Emigration in die USA oder Kuba misslang, schafften es Frida und Max trotz der sich kontinuierlich verschärfenden Umstände bis zum Kriegsende in Hamburg zu überleben.

Diskriminierung und Entrechtung

Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7.4.1933, infolge dessen viele Jüdinnen und Juden ihre Arbeit verloren, versiegte für Max Salzberg auch die letzte Hoffnung, noch eine Anstellung im staatlichen Schulwesen zu erhalten.

Das Ehepaar Salzberg war durch die neu erlassenen antisemitischen Gesetze zunehmend Diskriminierungen und Bedrohungen ausgesetzt. Insbesondere nach den sogenannten „Nürnberger Rassegesetzen“ von 1935 verschärfte sich die Situation: Max Salzberg galt als Jude durch die rassistischen Regelungen von nun an nicht mehr als „Reichsbürger“, sondern nur noch als „Staatsangehöriger“ mit eingeschränkten Rechten. Ab August 1938 musste er infolge einer Namensänderungsverordnung wie alle jüdischen Männer den zusätzlichen Namen „Israel“ annehmen, wie in der Angestelltenversichertenkarte zu sehen ist. Im Oktober wurde ihm zudem ein großes rotes „J“ in den Reisepass gestempelt.

Frida Salzberg verlor 1938 ihre Anstellung als Lehrerin und ihre Pensionsansprüche, da sie die Scheidung von ihrem jüdischen Ehemann verweigerte. Ihr Einkommen sicherte sie in der Folgezeit vor allem über heimlich erteilten Privatunterricht. Sie war auf Eltern angewiesen, die ihr ihre Kinder anvertrauten, obwohl sie in einer „Mischehe“ lebte. Wie Korrespondenzen belegen, gab sie noch 1942 auch dem japanischen Konsul in Hamburg Deutschunterricht. Max Salzberg erteilte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges weiterhin Auswandererkurse und setzte diese Tätigkeit fort, bis es keine Schülerinnen und Schüler mehr gab. In den letzten Kriegsjahren hatte das Ehepaar größere Geldsorgen und lebte hauptsächlich von ihrem vom NS-Regime gesperrten Vermögen, aus dem sie monatlich eine gewisse Summe erhielten.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Nr. 34 und 35 Angestelltenversichertenkarte Max Israel Salzberg, Foto: Silke Lachmund.

Unterstützung für Freunde und Bekannte

Trotz ihrer eigenen Notlage versuchten die Salzbergs, Bekannte und Freunde nach Möglichkeit zu unterstützen und Kontakte aufrechtzuerhalten. Wie Postkarten aus dem Nachlass des Ehepaars zeigen, wandte sich Leo Schneeroff 1942 mit der Bitte um eine Geldsendung ins Ghetto Litzmannstadt an sie. Schneeroff war bis zu seiner Deportation 1941 Zahnarzt in Hamburg gewesen und starb wenige Monate, nachdem die Salzbergs seiner Bitte nachgekommen waren.

Das Ehepaar litt sehr darunter, dass viele ihrer jüdischen Bekannten Deportationen zum Opfer fielen oder sich diesen durch Selbstmord entzogen. Anderen wiederum gelang rechtzeitig die Emigration, viele von ihnen kehrten nicht mehr nach Deutschland zurück, hielten aber durch Briefe den Kontakt zu den Salzbergs.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 27.1.

Judenstern - Kampf gegen die Kennzeichnungspflicht

Die am 1.9.1941 in Kraft getretene „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ verpflichtete fast alle Juden ab dem sechsten Lebensjahr, einen „gelben Judenstern“ sichtbar zu tragen. Frida Salzberg versuchte, für ihren Mann eine Ausnahme von der Regelung zu erwirken. Im Oktober 1941 berief sie sich in einem Schreiben an den Hamburger Polizeipräsidenten auf den § 3a der Verordnung, der Ausnahmen für in einer „Mischehe“ lebende jüdische Ehegatten vorsah, sofern Kinder vorhanden waren. Da dies bei den Salzbergs nicht der Fall war, wurde ihr Gesuch abgelehnt und Max Salzberg war zum Tragen des Judensterns verpflichtet.

Wie in der Schublade zu sehen ist, hatte Frida den Stern auf einen festen Karton geklebt und auf der Rückseite mit einer Sicherheitsnadel versehen. Dadurch konnte ihr Mann diesen selbstständig ertasten und anstecken, wenn er das Haus verlassen wollte. Trotz der möglichen Diskriminierungen in der Öffentlichkeit unternahm er zunächst weiterhin Spaziergänge.

Durch seine Sehbehinderung war Max Salzberg auf Hilfe beim Überqueren der Straße angewiesen. Als ihm diese wegen seines Judensterns niemand mehr anbot, kam es im Dezember 1941 bei einem Versuch, die Straße allein zu überqueren, zu einem Unfall, bei dem er einen Schädelbruch sowie weitere schwere Verletzungen erlitt. Infolgedessen erblindete Max vollständig und trug weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen davon.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Schlafzimmer_017.
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 38.

Soziale Isolierung

Unter den gesundheitlichen Folgen des Unfalls litt Max Salzberg für den Rest seines Lebens. Während der nächsten Jahre kam zudem eine starke soziale Isolierung hinzu. Da seine Frau viel arbeitete und er keine andere Begleitung hatte, musste er überwiegend in der Wohnung bleiben.

Seine Sehbehinderung schützte ihn jedoch während der NS-Zeit auch bis zu einem gewissen Grad. Wie aus einem Schreiben hervorgeht, sollte Max Salzberg während der Reichspogromnacht 1938 verhaftet werden. Aufgrund seiner Erblindung wurde das Vorhaben jedoch nicht umgesetzt.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Gästezimmer_002; 15 Ausschnitt Blindenarmbinde, Foto: Silke Lachmund.

Gescheiterte Auswanderungsbemühungen

Nachdem zu Beginn der 1930er-Jahre noch vergleichsweise wenige Jüdinnen und Juden emigriert waren, stiegen die Auswanderungszahlen 1938/39 nach den Erfahrungen der Reichspogromnacht drastisch an. Die Salzbergs unternahmen hingegen erst nach Beginn des Zweiten Weltkrieges konkrete Versuche: Einige Geschwister von Max Salzberg waren bereits Jahrzehnte zuvor, vermutlich im Kontext des Ersten Weltkrieges, in die USA emigriert, wohin auch das Ehepaar Salzberg nun zu fliehen versuchte.

Die nötigen Bürgschaften, die von einer Bürgerin oder einem Bürger des Aufnahmelandes zu leisten waren, erhielten sie nicht nur von Max Salzbergs Verwandten, sondern auch von Gisela Warburg, der Tochter von Max Warburg. Dieser war mit seiner Familie 1938 ebenfalls in die USA emigriert und hatte zuvor vielen Jüdinnen und Juden bei der Flucht, besonders in finanzieller Hinsicht, geholfen. Darüber hinaus erhielt das Ehepaar auch von einigen verbliebenen Hamburger Bekannten Unterstützung.

Wie Korrespondenzen und Telegramme belegen, griffen Gisela Warburg und ein Bruder von Max Salzberg zudem auf persönliche Kontakte zurück, um den Salzbergs die Emigration zu ermöglichen. Als sich die Überfahrt in die USA als schwierig gestaltete, versuchten beide, für das Ehepaar ein Visum in Kuba zu erhalten. Die Bemühungen blieben dennoch erfolglos: Kurz bevor die Salzbergs Deutschland verlassen konnten, wurde am 23.10.1941 das Auswanderungsverbot für Jüdinnen und Juden erlassen. Max Salzbergs schlechter gesundheitlicher Zustand infolge des Unfalls verhinderte zudem weitere Fluchtpläne.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Gästezimmer_006; Telegramm: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 28 (3).

Unterbringung im Judenhaus Dillstraße 15

Zwei Tage nach dem Erlass des Auswanderungsverbots begannen in Hamburg die Deportationen. Nachdem einige ihrer Bekannten diesen zum Opfer gefallen waren oder sich durch Selbstmord entzogen hatten, fürchtete Max Salzberg zunehmend um sein Leben.

Im April 1942 mussten die Salzbergs zunächst ihre Wohnung in der Bieberstraße räumen und wurden mit einem anderen Ehepaar von der Gestapo in eine kleinere Wohnung in die Grindelallee verwiesen. Durch das Reichsgesetz über die „Mietverhältnisse mit Juden“ von 1939 war der Mieterschutz und die freie Wohnungswahl für Jüdinnen und Juden aufgehoben worden und eine Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung wurde möglich. So wurden nicht nur in Hamburg mehrere „Judenhäuser“ geschaffen, in die zunächst „volljüdische“ und später auch in „nichtprivilegierter Mischehe“ Lebende umquartiert wurden. Die Salzbergs mussten Ende 1942 in das „Judenhaus“ in der Dillstraße 15 umziehen. Da Frida gesundheitlich angeschlagen war, versuchte sie, einen Aufschub der Zwangsumquartierung zu erwirken, blieb jedoch erfolglos. Die Möbel und der Hausstand aus der Bieberstraße musste das Ehepaar im Zuge der zweimaligen Umquartierung teils verkaufen oder bei Bekannten in Hamburg sowie bei Fridas Schwester in Hannover unterstellen, darunter etwa die Ess- und Wohnzimmereinrichtung sowie Max Salzbergs umfangreiche Bibliothek. Ein Großteil ihres Inventars wurde bei Bombardierungen 1943 jedoch vernichtet. Den Salzbergs blieb nur, was sie mit in die Dillstraße nehmen konnten und was bei dem Ehepaar Johann und Luise Ehlen eingelagert worden war. Johann Ehlen war weitläufig mit Fridas Familie verwandt. Die Familie der Ehlens erinnert, dass Luise das Ehepaar Salzberg während der NS-Zeit mit Lebensmitteln, die sie in die Dillstraße liefern ließ, unterstützte.

Im „Judenhaus“ in der Dillstraße mussten sich die Salzbergs zwei Zimmer mit zuletzt acht anderen Menschen teilen. Die schlechte Versorgungslage und die beengten Räumlichkeiten sorgten für ein konfliktreiches Zusammenleben. Wie Fridas Kalender und Briefen zu entnehmen ist, kam es besonders wegen Verschmutzungen und Lärm häufig zu Streit.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 38 (5); Anweisung: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 38 (6).

Beschlagnahmung der Schreibmaschinen

Neben der Zwangsumsiedlung gehörte auch die Beschlagnahmung von jüdischen Wertgegenständen zu den Repressalien des NS-Regimes. Nachdem Radios bereits zu Kriegsbeginn abgeliefert werden mussten, waren einige Zeit später auch alle Schreibmaschinen abzuliefern.

Frida Salzberg versuchte erneut, sich dieser Anordnung zu widersetzen und bat darum, dass ihr Mann von seinen drei Schreibmaschinen zumindest die Smith Premier Nr. 4, die für seine Anfordernisse umgerüstet worden war, behalten durfte: „Die Ablieferung ins-besondere [sic] der letzteren bedeut et [sic] für meinen Mann nicht mehr und nicht weniger, als wenn einem Einbeinigen die Prothese genommen wird.“ (Brief von Frieda Salzberg-Heins an den Jüdischen Religionsverband Herrn Dr. Plaut vom 25.6.1942, Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 38) Ihr Gesuch hatte Erfolg. Max Salzberg durfte zumindest eine seiner Schreibmaschinen behalten und schrieb während des Krieges seine Erinnerungen an Kindheit und Jugend in Litauen nieder.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Gästezimmer_008; 30 Blindenschreibpapier im Karton (1906), Foto: Silke Lachmund.

Alltag geprägt durch Krieg und Verfolgung

Frida Salzberg schrieb nahezu täglich, auch während der Kriegsjahre, Termine und Erlebnisse in ihren Kalender. Diese stellen eine ergiebige Quelle für die Alltagsgeschichte in der NS-Zeit dar. Neben einschneidenden Ereignissen, wie die Zwangsumquartierungen oder Vorladungen vor die Gestapo, notierte Frida darin auch Alltägliches, wie Einkäufe, Unterrichtsstunden und erhaltene Briefe. Sehr eindrucksvoll sind ihre Schilderungen der „Operation Gomorrha“, bei der eine Reihe von britischen und US-amerikanischen Luftangriffen vom 24.7. bis 3.8.1943 große Teile Hamburgs zerstörten. Am 24./25.7. schrieb Frida: „¾ 1 nachts brach die Hölle los: Rappstr. brennt. alle Fenster gebrochen. Rutschbahn brennt. Bornstraße brennt. Grindelallee ein Trümmerhaufen. […] Die ganze Nacht in der Rappstraße Löschwasser getragen. Es wird nicht Tag. Vormittags Vollalarm […] Kein Wasser mehr (sehr wenig im Keller). Kein Gas mehr. Kein Strom. Erst ½ 6 Uhr morgens Feuerwehr.“ (Vormerkbuch 1943 von Frida Salzberg, Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 9.2 (2).)

Infolge der rassistischen und antisemitischen Erlasse durfte Max Salzberg als Jude während der Bombenangriffe der Alliierten keine Luftschutzbunker aufsuchen, er musste mit seiner Frau in der Wohnung bleiben. Trotz der schweren Zerstörungen im Grindelviertel überlebten sie und Max Salzberg blieb vor einer Deportation verschont: Der Zweite Weltkrieg endete, noch bevor eine geplante Regelung erlassen wurde, die die Deportation der jüdischen Ehepartner aus „nichtprivilegierten Mischehen“ vorsah. Sie gehörten damit zu den rund 630 Ehepartnern aus „Mischehen“, die bei Kriegsende noch in Hamburg lebten.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 9.2 (2) und (3).

Nachkriegszeit: Wiedergutmachung

Der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik fielen etwa 10.000 Hamburger Jüdinnen und Juden zum Opfer. Die wenigen Überlebenden, die sich bei Kriegsende noch in Hamburg befanden oder dorthin zurückkehrten, standen nach Kriegsende erst einmal vor dem Nichts. Zu den Traumata und seelischen Belastungen kam die materielle Not. Durch die Zwangsenteignungen hatten viele Jüdinnen und Juden einen Großteil ihres Besitzes verloren, wurden nach den Bestimmungen in der britischen Besatzungszone jedoch bis 1946 genauso behandelt wie die übrige deutsche Bevölkerung. Sie waren daher meist auf Unterstützung von Wohlfahrtseinrichtungen angewiesen. Die Wiedergutmachungspolitik sorgte nur langsam dafür, dass sich die Lebensumstände der Jüdinnen und Juden besserten. Bereits im Mai 1948 wurde in Hamburg das „Gesetz über Sonderhilfsrenten“ erlassen, das anerkannten Verfolgungsopfern Renten gewährte. Auch das Haftentschädigungsgesetz (August 1949) und das Hamburger Allgemeine Wiedergutmachungsgesetz (April 1953), das fast zeitgleich mit dem Bundesentschädigungsgesetz erlassen wurde, sollten für Abhilfe sorgen. Damit nahm Hamburg eigentlich eine Vorreiterrolle in der Gesetzgebung ein.

Am Beispiel des Ehepaars Salzberg zeigt sich jedoch, wie langwierig die Durchsetzung von Entschädigungsansprüchen sein konnte. Ihre Anträge – etwa aufgrund der erlittenen beruflichen Beeinträchtigung von Frida oder aufgrund des Verlustes von Möbeln, Büchern und Schreibmaschinen, die Max für seine Tätigkeiten als Schriftsteller und Privatlehrer benötigt hatte – wurden zunächst aus verschiedenen Gründen abgelehnt. Ein großer Teil der Entschädigungszahlungen erfolgte erst nach dem Tod von Max Salzberg 1954. Vieles wurde erst durch den beharrlichen Kampf von Frida, unterstützt von dem bekannten Hamburger Rechtsanwalt Herbert Pardo, Ende der 1950er- und Mitte der 1960er-Jahre bewilligt.

Kampf um Wiedergutmachung

Max Salzberg beantragte 1950 für die Zeit der Kennzeichnungspflicht mit einem Judenstern eine Haftentschädigung, die ihm zunächst verwehrt blieb. In der Begründung des Amtes für Wiedergutmachung hieß es, „dass ausser [sic] den üblichen allgemeinen Beschränkungen, die den Sternträgern auferlegt waren bezw. [sic] sich aus dem Tragen des Sternes selbst ergaben, auch noch eine weitere nationalsozialistische, besondere Beschränkung der persönlichen Freiheit hinzukommen musste, ehe die Lebensumstände der Betroffenen dem Zustand gleichgesetzt werden können, in welchem sich die tatsächlich Verhafteten und in einem Konzentrationslager oder einem Ghetto Eingesperrten befanden.“ (Beschluss des Amtes für Wiedergutmachung auf den Antrag des Herrn Dr. Max Salzberg auf Zuerkennung einer Haftentschädigung nach dem Haftentschädigungsgesetz vom 13.10.1950, Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 42)

Salzberg widersprach dieser Begründung am 11.12.1950 und verwies auf die besonderen Umstände infolge seiner Erblindung: „Da meine Frau gezwungen war, in jenen Jahren zu arbeiten, hatte ich niemand zur Begleitung. Ich konnte mich daher nicht mehr auf die Strasse [sic] begeben, da mir – seit ich den Stern tragen musste – niemand mehr zu helfen wagte. Schon an einem der ersten Tage des Sterntragens erlitt ich beim Überqueren der Strasse [sic] einen schweren Unfall (Schädelbruch). Ich war danach bis Kriegsende darauf angewiesen, in dem dumpfen und engen Zimmer, das ich in einem Hause der Jüdischen Gemeinde, Dillstrasse [sic] 15 bewohnte […] mich aufzuhalten. Da ich praktisch die Strasse [sic] nicht mehr betreten konnte, war der Zustand für mich tatsächlich Haftgleich.“ (Brief von Max Salzberg an die Hansestadt Hamburg, Sozialbehörde, Amt für Wiedergutmachung vom 11.12.1950, Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 42 (3)) Der Widerspruch hatte Erfolg, allerdings wurde Max Salzberg erst rund ein Jahr später, im Oktober 1951, eine Haftentschädigung bewilligt.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 42 (3).

Unterstützung durch Hilfsorganisationen

Durch die angespannte finanzielle Situation und die Lebensmittelknappheit waren die Salzbergs, wie auch ein Großteil der deutschen Bevölkerung, auf Wohlfahrtsunterstützung aus dem Ausland angewiesen. Auch von jüdischen Hilfsorganisationen erhielten sie Lebensmittelsendungen, darunter die amerikanisch-jüdische Hilfsorganisation JOINT (American Jewish Joint Distribution Committee). Wohlfahrtsverbände wie der JOINT oder das britische Jewish Commitee for Relief Abroad waren gerade für jüdische Displaced Persons in Europa überlebenswichtig, sie organisierten nicht nur Nahrungsmittellieferungen, sondern nach der Staatsgründung Israels mitunter auch Transporte für Einwanderer.

Das Ehepaar Salzberg nutzte die erhaltenen Hilfsgüter jedoch nicht nur für den Eigenbedarf. Wie vor 1945, als sie trotz der eigenen Notlage Freunden und Bekannten geholfen hatten, leisteten sie erneut Unterstützung, wie aus privater Korrespondenz hervorgeht. Im Mai 1947 schrieb etwa eine Bekannte an Frida Salzberg: „Es war nicht das erste Mal, daß Sie uns mit so gütigen Gaben aus Ihren Paketen erfreuen, aber eine solche Hilfe im Augenblick der Not habe ich noch niemals erlebt.“ (Postkarte an Frieda Salzberg Heins vom 22.5.1947, Stiftung Historische Museen, Altonaer Museum, 1993-2172, 18.)

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 51 Div. Lebensmittelvorräte aus der Speisekammer, Foto: Silke Lachmund.

Care-Pakete

Die Erlebnisse in der Kriegs- und Nachkriegszeit scheinen besonders Frida Salzberg so nachhaltig geprägt zu haben, dass sie das Bedürfnis entwickelte, stets Vorräte für Notzeiten zu haben: Noch 50 Jahre später befanden sich viele der Hilfsgüter unbenutzt im Haushalt der Salzbergs. Im Gästezimmer lagerten zwischen zahlreichen anderen Kartons etwa drei Care-Pakete, eines davon ungeöffnet.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 6 Care-Paket (1945-1948), Foto: Silke Lachmund.

Rückkehr in die Bieberstraße

Das Ehepaar Salzberg konnte noch 1945 in ihre Mietwohnung in der Bieberstraße zurückkehren. Diese war bei den Bombardierungen nicht gravierend beschädigt worden, dennoch gestaltete sich die Wohnsituation schwierig. So berichtete Max Salzberg in einem Brief an einen Bekannten in der Nachkriegszeit, dass die Wohnung „nicht immer gemütlich“ sei: „Wir sitzen jetzt oft ungeheizt. Im Herbst hatten wir Heizung, aber seit Januar sind wir oft zehn oder vierzehn Tage lang ohne Feuerung.“ (Brief von Max Salzberg an unbekannten Empfänger, Hamburg, [13.10.1946]; Stiftung Historische Museen, Altonaer Museum, 1993-2172, 16.)

Zudem zeugen Korrespondenzen und Kalendereinträge von Problemen mit Untermietern, die wahrscheinlich infolge des Wohnungsmangels bei den Salzbergs einquartiert worden waren und ihrem Empfinden nach für viel Unruhe sorgten. Vor allem das Verhältnis zu einem Ehepaar, das bis 1951 für drei Jahre zur Untermiete gewohnt hatte, war extrem konfliktreich. Nach zahlreichen Streitfällen und antisemitischen Beschimpfungen gegenüber Max gingen die Salzbergs mit einer Räumungsklage vor Gericht und erreichten bei einem Vergleich den Auszug des Paares. Bis mindestens Mitte der 1960er-Jahre lebten weitere Untermieterinnen in der Wohnung. Es ist zu vermuten, dass der Wohnraummangel in Hamburg in der Nachkriegszeit hierfür entscheidend war. Die genauen Gründe sind jedoch unklar.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Flur 009.

Fridas Wiederanstellung - die Oberschule für Mädchen an der Allee in Altona

Die berufliche Rehabilitation von Frida Salzberg verlief nur mit geringen Schwierigkeiten. Durch die Entnazifizierung sowie durch Kriegsgefallene und -gefangene waren im öffentlichen Dienst Stellen frei geworden. So konnte Frida Salzberg bereits 1945 ihre Wiederanstellung in den Schuldienst erreichen und arbeitete fortan an der staatlichen „Oberschule für Mädchen an der Allee“ in Altona. 1946 wurde sie zur stellvertretenden Oberstudiendirektorin ernannt und blieb bis zu ihrer Pensionierung 1959 an der Schule.

Quelle: Festschrift von der Höheren Töchterschule zur wissenschaftlichen Oberschule für Mädchen. 75 Jahre Oberschule für Mädchen in Altona, Hamburg 1951, S. 1. und S. 15. Mit freundlicher Genehmigung des Gymnasiums Allee, Hamburg.

Erinnerungen an die NS-Zeit

Ihre Erfahrungen aus der Kriegszeit verarbeiteten die Salzbergs auch in Briefen an Max Salzbergs Geschwister, die in den USA lebten. In einem Brief aus dem Oktober 1946 werden ihre durch die Nationalsozialisten erlittenen Verluste sowie die tragischen Umstände ihrer gescheiterten Emigration deutlich:

„The Nazis bereft us of everything, of our money, jewelry, silver, of our wireless (which I am missing so terribly), of our woolen clothes, linen and so on, but worst of all was the deprivation of our work. […] We made all our preparations to emigrate, but in the last moment Germany closed the frontiers. Then we made an attempt to go to Cuba, but also that was in vain. The war with Russia broke out and we remained caged up among our inhuman persecutors.”

Nach Kriegsende erhielten die Salzbergs von einem ihrer Schüler und Freunde, der in die USA ausgewandert war, ein neues Affidavit, durch das ihre Emigration möglich geworden wäre. Trotz der schwierigen Situation im Nachkriegsdeutschland entschieden sie sich dagegen. Zu groß war, nach eigenen Angaben, ihre Angst, sich aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und der leidvollen Jahre kein neues Leben in einem fremden Land mehr aufbauen zu können.

Quelle: Brief von Max Salzberg, 9.10.1946, Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 1993-2172,15.

Nachkriegszeit: Alltag

Der Alltag des Ehepaars Salzberg war in der Nachkriegszeit nicht nur durch das langwierige Wiedergutmachungsprozedere geprägt. Der Verlust eines Großteils ihres Freundes- und Bekanntenkreis durch Emigration, Ermordung oder den durch Verfolgungsdruck bedingten Freitod traf besonders Max Salzberg hart. Aufgrund seiner Behinderung waren ihm soziale Kontakte wichtig, da er etwa beim Vorlesen oder Spazierengehen auf Hilfe angewiesen war. Umso wichtiger war für ihn die jüdische Gemeinde in Hamburg, auch aufgrund der Bedeutung, die die jüdische Religion und Kultur in seinem Leben hatten. Mit seiner Tätigkeit als Religions- und Hebräischlehrer, die er in der Nachkriegszeit wiederaufnahm, leistete er einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau der Gemeinde.


Quelle: StAHH, 522-2 Jüdische Gemeinde in Hamburg, Nr. 1364.
Mit freundlicher Genehmigung des Staatsarchivs Hamburg und der Jüdischen Gemeinde Hamburg. Quelle und Transkript >

Neugründung der Jüdischen Gemeinde in Hamburg, Juli 1945

Am 8.7.1945, einem Sonntag, trafen sich zwölf Hamburger Juden in der Wohnung von Chaim Golenzer, Rutschbahn 25a, einem sogenannten „Judenhaus“, in der Absicht, die durch das NS-Regime vernichtete Gemeinde zu reorganisieren. Sie waren ehemalige Mitglieder der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg. Die Aussprache eröffnete Josef Gottlieb, der vermutlich den Anstoß zur Gründung der jüdischen Gemeinde in Hamburg gegeben hat. Die Versammelten waren jedoch nicht die einzigen, die sich für eine Reorganisation der ehemaligen Gemeinde interessierten. Das Versammlungsprotokoll vom 8. Juli verweist auf etwa 80 Juden, die sich „gemeldet“ hätten. weiterlesen >

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 38 (2) und (3).

Engagement in der jüdischen Gemeinde

Max Salzberg war durch seine Lehrtätigkeit ein wichtiger Teil der 1945 neu gegründeten jüdischen Gemeinde in Hamburg. Darüber hinaus engagierte sich das Ehepaar auch für andere Angelegenheiten der Gemeinde. So spendeten sie etwa 1949 für den Bau des Totenmals 1933-1945, das von der jüdischen Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf errichtet wurde.

Besonders seine Lehrtätigkeit barg für Max Salzberg in der unmittelbaren Nachkriegszeit allerdings auch Frustrationen: „Über meine Beschäftigung könnte ich nichts Erfreuliches berichten. Ich habe keinen einzigen Schüler mehr. Ich gebe noch zwei Kurse in der Gemeinde, einmal wöchentlich anderthalb Stunden, aber die befriedigen mich nicht. Es sind Kinder, die kein Interesse fürs Hebräische haben, und, wenn das eine oder das andere doch noch Hebräisch lernen will, so stösst [sic] es auf Ablehnung seitens der Eltern oder sonst.“ (Brief von Max Salzberg an unbekannten Empfänger, Hamburg, [13.10.1946]; Stiftung Historische Museen, Altonaer Museum, 1993-2172, 16.)

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, 622-1/214 Salzberg, Nr. 42 (2).

Urlaubsreisen

Wie einige Urlaubsfotos belegen, konnten die Salzbergs in den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren einige Urlaube in Bad Pyrmont verbringen, um sich dort zu erholen und Freundschaften zu pflegen. Nach dem Tod ihres Mannes reiste Frida auch einige Male für Urlaubsaufenthalte in die Schweiz.

Darüber hinaus unterhielt das Ehepaar Salzberg, wie bereits vor und während des Zweiten Weltkrieges, regen Briefkontakt mit ihren Freunden und Bekannten. Max Salzberg hielt zudem internationale Kontakte über die Jewish Blind Society. Die umfangreichen Korrespondenzen des Ehepaars, bestehend aus Briefen und Postkarten an und von Bekannten aus dem Inland, dem europäischen Ausland und den USA, sind im Schriftnachlass im Staatsarchiv Hamburg erhalten.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 1993_1672_1, 1993_1776.
Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 12 diverse Schachteln und Dosen mit Zigaretten, Foto: Silke Lachmund.

Diverse Schachteln und Dosen mit Zigaretten

Geprägt durch die Notsituation in der Kriegs- und Nachkriegszeit führten die Salzbergs ein sparsames Leben. Rauchen war eines der wenigen Vergnügen, das sich Max Salzberg auch zu Zeiten knapper Tabakrationen leistete. Davon zeugen mehrere Zigarettenschachteln im Haushalt der Salzbergs. Die aus verschiedenen Ländern stammenden Packungen – unter anderem aus Israel – verweisen ebenso wie die zahlreichen Korrespondenzen auf das internationale Unterstützungsnetzwerk, dem das Ehepaar angehörte.

Vereinsamung

Die Einsamkeit, die das Ehepaar und insbesondere Max Salzberg aufgrund seiner Blindheit in der Nachkriegszeit erlebte, spiegelt sich in einem Brief wider, den er 1946 an einen Bekannten schrieb:

„Sonst ist das Leben hier sehr einsam für uns. Von allen unsern [sic] Freunden und Bekannten ist niemand mehr hier. Für mich ist die Vereinsamung besonders schwer, weil ich ohne Menschen nicht auskommen kan [sic]. Einmal in der Woche liest mir ein Bekannter eine Stunde hebräische Zeitung vor, „Hadawar“; dies ist die ganze Verbindung, die ich mit unserer Kultur habe.“ (Brief von Max Salzberg an unbekannten Empfänger, Hamburg, [13.10.1946]; Stiftung Historische Museen, Altonaer Museum, 1993-2172,16.)

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 17 Jackett mit Blindenbinde, Gehstock und Hut des Dr. Salzberg, Foto: Silke Lachmund.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des jüdischen Friedhofs Ihlandkoppel, Ohlsdorf.

Max Salzbergs Tod

Infolge eines Unfalls in seiner Wohnung verstarb Max Salzberg am 3.4.1954. Einen großen Teil der Wiedergutmachungsleistungen, die erst im Laufe der 1960er-Jahre durch den Einsatz von Frida gewährt worden waren, erlebte er nicht mehr. Frida Salzberg selbst blieb Zeit ihres Lebens in der Wohnung in der Bieberstraße und verstarb zwei Tage nach ihrem 100. Geburtstag im Jahr 1993. Sie wurde neben ihrem Mann auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf begraben.

Hervorzuheben ist die enge Verbindung, die Frida Salzberg zu vielen ihrer Schülerinnen pflegte. Einige von ihnen kümmerten sich besonders in ihren letzten Lebensjahren um sie. Darüber hinaus bestand durchgehend ein gutes Verhältnis zur Familie von Luise Ehlen, der Ehefrau von Fridas Verwandtem Johann Ehlen, der bereits 1967 verstorben war. Luise Ehlen hatte aus erster Ehe einen Sohn, Gustav Johnsen. Wenngleich es kein direktes Verwandtschaftsverhältnis von Frida Salzberg zu Gustav Johnsen, seiner Frau Gertrud und ihren Kindern gab, bestand die enge Verbindung auch nach dem Tod von Luise Ehlen 1976 fort und führte schließlich dazu, dass Frida Gertrud Johnsen als Erbin einsetzte.

Nachruf auf Max Salzberg

Wenige Tage nach dem Tod von Max Salzberg veröffentlichte die Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland einen Nachruf auf ihn. Darin wird der Stellenwert deutlich, den Salzberg für die Zeitung hatte. Als einer ihrer „treuesten Mitarbeiter“ lieferte er verlässlich für jeden jüdischen Feiertag einen Beitrag. Diese zeugten von seinem großen Wissen sowie tiefer Religiosität, wie es in dem Nachruf heißt. Seine letzte Geschichte für die AWZdJ habe er nur wenige Stunden vor seinem Tod geschrieben. Zudem werden seine großen Verdienste hervorgehoben, die er beim Wiederaufbau der Hamburger jüdischen Gemeinde erworben hatte, vermutlich ein Hinweis auf seine Lehrtätigkeit.

Quelle: „Dr. Max Salzberg gestorben“, in: Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland, Nr. IX/1, 9. April 1954, S. 3.

Wohnung als Gedenkort und Umgang mit der Vergangenheit

Bis zu ihrem Tod 1993 stand Frida in engem Kontakt mit den Nachkommen von Luise Ehlen, die mit ihrer Familie das Ehepaar Salzberg immer wieder unterstützt hatte. Vermutlich aus Dankbarkeit für die langjährige Hilfe – und da kein anderer direkter Verwandter mehr lebte – vererbte Frida fast das gesamte Inventar der Wohnung an die Schwiegertochter von Luise Ehlen, Gertrud Johnsen, deren Mann Gustav bereits 1979 verstorben war.

Gertrud Johnsen entschied mit ihrer Familie, den Großteil der Einrichtung dem Altonaer Museum zu übergeben. Vor allem ihre Tochter, Eva Heckscher, kümmerte sich um das Prozedere und verwahrte für einige Jahre zudem den Schriftnachlass der Salzbergs. Dieser wurde, besonders auf Wunsch ihrer Schwester Uta Seehase, im November 1995 ans Staatsarchiv Hamburg übergeben.

Die Wohnung stellte in ihrem Ursprungszustand bereits einen Gedenkort dar, in dem Frida versucht hatte, die Erinnerung an ihren Mann zu bewahren. Nach seinem Tod nahm sie nur wenige Änderungen vor. Mit zwei Ausstellungen des Altonaer Museums sowie des Hamburger Schulmuseums 1998 wurden die Geschichte des Ehepaars Salzberg sowie das Wohnungsinventar erstmalig öffentlich ausgestellt. Beide Ausstellungen waren von der „Authentizität“ der Gegenstände und Fridas Erzählungen geprägt, die in den 1980er-Jahren von der Hamburger Pädagogin, Autorin und Historikerin Ursula Randt verschriftlicht wurden. Sowohl eine wissenschaftliche Erschließung und Einbeziehung des Schriftnachlasses als auch eine Ausstellung des Wohnungsinventars unter aktuellen museumspädagogischen Gesichtspunkten stehen noch aus.

Die Wohnung und ihr Inventar

Die Fotografien liefern Einblicke in die Wohnung des Ehepaars Salzberg zum Zeitpunkt der Übernahme des Inventars durch das Altonaer Museum. Zu sehen sind das Frühstückszimmer, Teile der Küche und des Wohnzimmers. Wie an den Fotos deutlich wird, umfasst die Sammlung Salzberg jegliche Gegenstände eines Wohnungsalltags – von Büchern und Textilien bis hin zu Möbeln und Küchenutensilien. Diese Komplexität stellt eine ganz besondere Herausforderung für das Museum dar.

Bis auf einige Erinnerungsstücke, die die Erben behalten haben, sowie großes Mobiliar, das keinen Platz im Museumsdepot fand, nahm das Altonaer Museum das gesamte Inventar in seinen Bestand auf, wo es sich bis heute befindet.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Frühstückszimmer_012; Küche_007; Wohnzimmer_003; Wohnzimmer_007.

Besondere Erinnerungsstücke I: das Radio

Das Radio stellte für Max Salzberg eine unverzichtbare Verbindung zur Außenwelt dar. Im Wohnzimmer stand es auf einem eigenen Tisch, sodass es für Max sowohl vom Sofa als auch vom Stuhl aus immer erreichbar war. Damit er ohne Nachfragen rechtzeitig das Radio anstellen konnte, um die Nachrichten zu verfolgen, gingen in der Wohnung der Salzbergs alle Uhren zehn Minuten vor. Diese Angewohnheit behielt Frida auch nach seinem Tod bei – ein bedeutsames Beispiel für ihren Versuch, die Erinnerung an Max zu bewahren und zugleich dafür, welche Geschichten einzelne Objekte erzählen können.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 60 Röhrenradio (ca.1950), Rahmen Foto Max Salzberg 1932, Foto: Silke Lachmund.
Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, 1993-2418, Foto: Silke Lachmund; 42 Chanukka-Kerzen, Foto: Silke Lachmund.

Besondere Erinnerungsstücke II: Weihnachts-/Chanukka-Kiste und Chanukka-Kerzen

Der Nachlass des Ehepaars Salzberg enthält auch eine Kiste, in der sich Weihnachtsschmuck sowie Utensilien für Chanukka finden. Chanukka, das Lichterfest in Erinnerung an die Reinigung des Jerusalemer Tempels durch die Makkabäer, ist eines der bedeutendsten Feste im Judentum, das acht Tage lang im November/Dezember gefeiert wird. Max Salzberg veröffentlichte anlässlich des Festes im Dezember 1949 auch in der „Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland“ eine Kurzgeschichte über einen „gestohlenen Chanukkaleuchter“. Das Anzünden der Kerzen des achtarmigen Leuchters ist eine der wichtigsten Festtraditionen und auch die Salzbergs hatten Chanukka-Kerzen in ihrem Haushalt. Wie genau sie Weihnachten und Chanukka feierten, ist nicht bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass die religiösen Feste für das Ehepaar von Bedeutung waren.

Erste Ausstellung im Altonaer Museum

1998 fand im Altonaer Museum die Ausstellung „Schatten. Jüdische Kultur in Altona und Hamburg“ statt. Einen Teil der Ausstellung bildete die Sammlung Salzberg, die erstmals öffentlich präsentiert wurde. Anhand verschiedener Einrichtungsgegenstände wurden Einblicke in den Alltag des Ehepaares Salzberg gegeben. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Objekten und eine tiefergehende wissenschaftliche Aufarbeitung von Fridas und Max‘ Lebensgeschichte wurden jedoch nicht vorgenommen.

Zeitgleich fand zudem im Hamburger Rathaus eine Ausstellung des Hamburger Schulmuseums über das jüdische Schulleben in Hamburg statt. In dieser wurde auch Max Salzberg in Bezug auf seine Auswandererkurse erwähnt. In den folgenden 20 Jahren gab es keine weitere (öffentlich wahrnehmbare) Beschäftigung mit den Salzbergs und ihrem Nachlass.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Foto: Michaela Hegenbarth.

Die Sammlung Salzberg

Seit der ersten – und bislang letzten – Ausstellung 1998 lagert die Sammlung Salzberg in den Depots des Altonaer Museums. Eine vollständige Inventarisierung und inhaltliche Erschließung konnte aufgrund fehlender finanzieller Mittel noch nicht durchgeführt werden.

Einzelne Objekte der Sammlung werden allerdings immer wieder in laufende Ausstellungen, vor allem bei alltagsgeschichtlichen Bezügen, miteingebunden.

Der im Staatsarchiv Hamburg bewahrte schriftliche Nachlass konnte ebenfalls erst kürzlich abschließend bearbeitet und damit der Forschung zugänglich gemacht werden.

Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum, Salzberg-Nr. 21, 2 und 22, Foto: Michaela Hegenbarth.