Schreiben von Karl Bodenschatz, Chef des Ministeramtes Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches, Berlin, 17.10.1944

Quellenbeschreibung

Das für Friedrich Wilhelm Lübberts (Über-)Leben wohl bedeutsamste Dokument ist auf den 17.10.1944 datiert und vom „General der Flieger und Chef des Ministeramts Reichsmarschall“ Karl Bodenschatz unterschrieben. Dieser bestätigt darin, dass Friedrich Wilhelm Lübbert, Kaufmann jüdischer Abstammung, von weiteren staatspolizeilichen Maßnahmen freigestellt sei, nachdem er gemäß Vereinbarung zwischen dem Reichsmarschall Hermann Göring und dem Reichsführer SS Heinrich Himmler seine Sterilisation hatte durchführen lassen. Wie viele andere deutsche Juden, die seit Generationen getauft und assimiliert waren, wurde Friedrich Wilhelm Lübbert in der NS-Zeit verfolgt. Gemäß den „Nürnberger Gesetzen“ von 1935 galt Friedrich Wilhelm Lübbert als „Mischling ersten Grades“. Anfang der 1940er-Jahre wurde über deren massenhafte Zwangssterilisation diskutiert, um die Fortpflanzung zu verhindern. Es kam zwar zu keiner Entscheidung in dieser Frage, doch das Dokument belegt, dass der Ausgrenzungsprozess und die Gefährdung der „Mischlinge“ mehr und mehr zunahmen und Sterilisationen durchgeführt wurden. Für die Ausfertigung der einseitigen maschinenschriftlichen Bestätigung wurde ein Formular der Behörde „Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches Chef des Ministeramtes“ mit Sitz in Berlin, Prinz-Albrecht-Str. 5, verwendet. Das Dokument gehört zum „Nachlass Lübbert“, der im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr (MHM) in Dresden liegt. Das Original wird in der Dauerausstellung präsentiert.
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Empfohlene Zitation

Schreiben von Karl Bodenschatz, Chef des Ministeramtes Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches, Berlin, 17.10.1944, veröffentlicht in: Hamburger Schlüsseldokumente zur deutsch-jüdischen Geschichte, <https://dx.doi.org/10.23691/jgo:source-91.de.v1> [28.04.2017].